Breitbandausbau: Grabenkämpfe am Beispiel Bamberg

EWE Mitarbeiter beim Glasfaser einblasen

EWE Mitarbeiter beim Glasfaser einblasen

Der Breitbandausbau in Deutschland ist in vollem Gange, zumindest an Orten, bei denen die großen Provider eine finanzielle Verlockung wittern. Ländliche Regionen ziehen dabei oftmals den Kürzeren, aber auch in den Städten gibt es immer häufiger Grund zur Klage. Hier prallen nicht nur unzufriedene Kunden auf Provider, sondern auch Netzbetreiber auf Netzbetreiber.

In der letzten Woche kritisierte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, das Vorgehen der großen Provider beim Breitbandausbau. Es würden sich Beschwerden über parallelen Breitbandausbau häufen, während an anderen Orten der Ausbau stockt oder noch nicht einmal geplant wurde. Beispiele aus der Praxis lassen sich dafür einige finden, herausgepickt wurde in Medienberichten zum Beispiel die bayrische Stadt Bamberg.

Bamberg eine Rosine?

In Bamberg versorgt das Stadtwerke-Unternehmen baMbit einige Stadtteile mit Breitband. Nach eigenen Angaben derzeit ca. 20 Tausend Haushalte, die noch im Jahr 2015 um 7 Tausend weitere Haushalte erweitert werden sollen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes versorgt man so rechnerisch über die Hälfte der Einwohner in Bamberg mit Breitband. Zu je der Hälfte sind dies FTTH-Anschlüsse (Fibre-to-the-Home, Glasfaserkabel bis ins Haus) und FTTC-Anschlüsse (Fibre-to-the-Curb, Glasfaserkabel bis zum nächsten Verteiler).

Auch die Telekom hat nun mit dem Breitbandausbau in Bamberg begonnen, wehrt sich aber gegen die aktuellen Darstellungen der „Rosinenpickerei“ in der Presse bzw. die Einschätzungen der Bundesnetzagentur. Gerade Bamberg scheint ein heikles Thema zu sein, was wohl unter anderem daran liegt, dass der Leiter xDSL RollOut der Telekom dort wohnt und sich seit Jahren vor Ort mit dem Thema auseinandersetzt. In diesem Zusammenhang gab es anscheinend lokal so einige Reibereien, bei denen es ehrlich gesagt für mich auch nach mehreren langen Telefonaten schwer ist, wirklich einzuschätzen, wer nun eventuelle Fehler begangen hat. Generell lohnt es allerdings genauer hinzuschauen.

Ausbau im Alleingang

Im ersten Halbjahr 2010 haben die Stadtwerke Bamberg nach einem politischen „Go“ in ihrem Wirtschaftsplan beschlossen, den Breitbandausbau selbst anzugehen. Offizieller Grund dafür ist, dass die Telekom sich jahrelang überhaupt nicht für die Stadt interessierte und es nicht absehbar war, ob und wann ein entsprechender Ausbau erfolgen würde. Bamberg ist bei weitem nicht der einzige Ort, bei dem das der Fall war. Auch Städte wie zum Beispiel das hessische Bad Nauheim haben die Sache selbst in die Hand genommen und bieten seit 2011 den ersten Kunden Breitbandinternet über Glasfaser an. Weitere Beispiele für einen Ausbau im Alleingang, also ohne die Telekom, finden sich in ganz Deutschland.

Nun darf aber eines nicht vergessen werden. Natürlich sind Stadtwerke kommunale Unternehmen, deren Gewinne am Ende (auch) der Kommune zugute kommen. Daran dürften einige Kommunen sicher Interesse gehabt haben bzw. immer noch haben. Eine City mit Randgebieten auszubauen ist sicher etwas einfacher, als per Mischkalkulation das ganze Land versorgen zu müssen. Das wissen die lokalen Betreiber und das weiß auch die Telekom.

Kooperation nicht (mehr) gewünscht

In Bamberg zum Beispiel gab es im September 2011 Bestrebungen der Telekom, die alleine im Bamberg 1000 Mitarbeiter beschäftigt, mit der Stadt über einen gemeinsamen FTTH-Ausbau zu verhandeln. Ein (unbestätigtes) Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro steht hierbei im Raum. Nach Aussagen verantwortlicher Telekom-Mitarbeiter ist die Stadt bzw. der Bürgermeister auf dieses Angebot nie eingegangen. In wie fern hier politische Entscheidungen in Bamberg eine Rolle spielten, lässt sich leider heute nicht mehr feststellen.

Dass es dieses Angebot zur Zusammenarbeit gab, sagt heute auch die Pressestelle der Telekom. Vorhaben war hier wahrscheinlich eine ähnliche Kooperation wie sie in der sächsischen Stadt Chemnitz stattgefunden hat. Dort schloss man mit dem kommunalen Energieversorger eine Vereinbarung zum Glasfaserausbau, für den die Kabelkanäle von Stadtwerke genutzt werden. Die Telekom mietet die dort verlegten Leitungen zunächst für 30 Jahre zurück und bekommt anschließend ein Vorkaufsrecht, wie mir ein verantwortlicher Telekom-Mitarbeiter erläuterte.

Die Stadtwerke Bamberg gingen schließlich im Dezember 2011 mit den ersten 3000 Breitbandanschlüssen ans Netz und die Telekom hielt die Füße still. In den letzten Jahren steckte auch das zwischenzeitlich zu Vodafone gehörende Unternehmen Kabel Deutschland jede Menge Geld in den Breitbandausbau in Bamberg, bei der Kritik in Richtung Telekom, sollte dies nicht unerwähnt bleiben. Seit 2014 ist die Telekom nun wieder aktiver in Bamberg, was an der nun verfügbaren Vectoring-Technologie liegt. Dies hat man einigen Fraktionen (alle die es hören wollten) im Stadtrat im Jahr 2013 mitgeteilt.

Konkurrenzsituationen

Ein freier Markt schafft Konkurrenzsituationen und wenn es das Ziel der Bundesregierung ist, dass mittels eines Technologiemix eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Downloadgeschwindigkeit von mind. 50 Mbit/s bis 2018 entsteht, dann sind deutschlandweit agierende Netzbetreiber geradezu darauf angewiesen, auch an Orten auszubauen, an denen sie Geld verdienen, um die Orte versorgen zu können, bei denen man durch den Ausbau draufzahlen muss.

[…] Dass wir das auch in den Gebieten tun, in denen Konkurrenten Infrastruktur haben, gehört zum Wettbewerb. Es gibt kein Infrastrukturmonopol: Weder für die Telekom, noch für Kabelnetzbetreiber oder Stadtwerke. – Telekom Pressestelle

In Bamberg ist die ganze Sache etwas hochgekocht, Vorwürfe vernimmt man aus allen Lagern. Auch rechtlich gibt es wohl einige Dinge (hinter den Kulissen) zu klären. Mittlerweile kann es den Kunden freuen, denn er kann vor Ort aus mehreren Breitbandanbietern wählen. Genau das ist es aber auch, was anderen Bürgern in unterversorgten Regionen sauer aufstößt und was daher so gerne von den Medien aufgegriffen wird. In Bamberg werden drei Netze parallel ausgebaut, in anderen Orten gar nichts.

Kleinkrieg

Der folgende Brief, hat die Stimmung im Netz weiter angeheizt. In einschlägigen Fachforen machte er die Runde und wurde auch mir zugespielt. Er ist nach Aussagen des Verfassers nun schon über ein Jahr alt und wurde in einem Bamberger Wohngebiet an „Nachbarn und Freunde“ verteilt. Aus dem Zusammenhang gerissen, wirkt das ganze schon etwas merkwürdig, die Stadtwerke Bamberg versicherten mir aber, dass man darüber eher geschmunzelt hat, statt es ernstzunehmen.

bamberg dsl breitband brief

Nachbarschaftsbrief zum Thema Breitbandausbau in Bamberg

Man sieht an diesem Beispiel schön, wie regionale Probleme und Reibereien schnell zu überregionalen Schlagzeilen werden können. Obwohl die Faktenlage vielschichtig ist und die Geschehnisse in Bamberg auch nicht tagesaktuell sind, werden diese Art Themen gerne genutzt, um Nachrichten und auch Politik zu machen. Kooperationsbemühungen, die Jahre zurückliegen, lassen sich leider heute nur noch schwer im Details erforschen.

Zukunft ungewiss

Angesichts der jährlichen Gewinnmitteilungen von überregional agierenden Providern fehlt Kunden in unterversorgten Regionen oft das Verständnis für den langsamen Breitbandausbau. Das ist für mich aus persönlicher Sicht mehr als nachvollziehbar. Zur Realität gehört aber auch, dass einige Dörfer und Regionen wohl in absehbarer Zukunft gar keinen Glasfaser-Breitbandausbau erfahren werden. Auch wenn man sich bei jedem Provider, mit dem ich gesprochen habe, einig ist, dass FTTH die Zukunft sei, so sprechen auch alle immer wieder von Wirtschaftlichkeit des Ausbaus.

Lücken werden wohl weiterhin durch Hybrid-Tarife mittels LTE oder über regionale Anbieter bzw. Interessengemeinschaften geschlossen werden müssen. Geld wird weiterhin immer zunächst dahin fließen, wo es sich lohnt auszubauen. Was die staatlichen Fördergelder für den Breitbandausbau bewirken, muss abgewartet werden. Sich einzelne Doppelausbau-Beispiele herauszupicken, um die schwarzen Löcher in den Fokus zu rücken, ist zwar plakativ, wird aber im Kern nichts voranbringen.

Ich persönlich glaube, dass die Bundesregierung zusammen mit der Telekom und weiteren Providern ihr gestecktes Ziel bis zum Jahr 2018 erreicht, aber nur auf dem Papier.

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